Vorstellung der DVD „SPIK – Sprachhandeln in Konfliktsituationen“
Der Name SPIK steht sowohl für ein Lingua2-Projekt (Partnerländer: Finnland, Belgien, Deutschland,) als auch für das Projektprodukt: eine DVD mit 12 Modulen.
Sprachlernen ist immer auch kulturelles Lernen. Die DVD soll helfen, im DaF-Unterricht die sprechsprachliche Kompetenz zur Konfliktvermeidung, Konfliktsteuerung und Konfliktlösung zu erwerben. Diese Strategien auch in einer Fremdsprache zu beherrschen, liegt gleichermaßen im persönlichen Interesse der Lerner wie im integrativen Bestreben der EU. In Belgien ist Deutsch eine der drei offiziellen Landessprachen, auβerdem ist Deutschland der wichtigste Handelspartner. Auch für Finnland ist Deutschland der wichtigste Handelspartner, und darum ist Deutsch eine der wichtigsten Fremdsprachen.
Unser Ziel ist es, die Angst vor dem Fremden abzubauen und/oder die Unsicherheit, sprachlich angemessen reagieren zu können, zu überwinden. Das Material verbessert die Voraussetzungen, in einem deutschsprachigen Land studieren oder arbeiten zu können; letztlich geht es auch darum, das soziale Miteinanderleben von Bürgern aus unterschiedlichen Kulturkreisen zu fördern.
Die DVD soll fortgeschrittene Deutschlerner auf einen längerfristigen Aufenthalt (Studium, Praktikum, Arbeit) in deutschsprachigen Ländern vorbereiten und ihnen helfen, schwierige Situationen in Beruf und Alltag auf Deutsch sprachlich und kulturell angemessen zu bewältigen. Das Lehrmaterial soll Deutschlernern helfen, Schwierigkeiten im Verständnis des Anderen zu erkennen und zu beheben.
Das Material ist aber auch für all jene geeignet, die intensive berufliche wie private Kontakte in den deutschsprachigen Raum unterhalten. Mithilfe des Produktes werden Deutschlerner mit schwierigen Situationen konfrontiert, die bisher in Lehrmaterialien kaum berücksichtigt wurden.
Folgende methodisch-didaktischen Überlegungen liegen dem Material zugrunde:
1. In
traditionellen Lehrmaterialien werden zumeist reibungslos funktionierende
Situationen vorgestellt. Werden Fremdsprachenlerner in der Praxis jedoch mit Konfliktsituationen konfrontiert, fehlen die sprachlichen Fähigkeiten und das
kulturelle Wissen, um kommunikativ angemessen reagieren zu können.
Daher gingen wir von Konfliktsituationen aus.
Ausgehend von einer Analyse vorhandener Lehrmaterialien und einer schriftlichen
Befragung unter Studenten und Geschäftsreisenden zu erlebten Konflikten wurden
typische Dialog-Situationen nachgestaltet sowie sprachrezeptive und
sprachproduktive Übungsfolgen entworfen.
2. Unser
Lernziel ist nicht, eine thematische Situation zu meistern, sondern eine
Sprechsituation. Unsere Themen sind deshalb um bestimmte Sprechhandlungen
aufgebaut, die zu bewältigen sind, s. Themen der Module.
In Verknüpfung von Spracherwerb und Erwerb kulturellen Wissens soll an
ausgewählten Situationen gezeigt werden, wie und wo Konflikte entstehen, und
zugleich soll gelernt und geübt werden, wie man Konflikte sprachlich vermeiden,
steuern oder lösen kann. Dabei werden nicht nur Grundkenntnisse in der
Fremdsprache situativ-interkulturell erweitert, sondern auch die
metakommunikative Kompetenz der DaF-Lerner fachbezogen und konfliktuell
entwickelt.
3. Die Struktur eines Moduls in unserem Material strebt danach, eine Art "Lernbogen" zu spannen. Wir beginnen mit der Einführung ins Thema, sehen eine Modellsituation mit Konflikt, analysieren sie, sehen danach ein Modell mit Konfliktbewältigung, analysieren auch diese, lernen Phrasen zu der Sprechhandlung, üben grammatische Mittel, Wortschatz, kleinere "Teilakte", Intonation – in Form von verschiedenen Übungen, auch Hör- und Sprechübungen, und zum Schluss werden alle Mittel in den Rollenspielen in neuen Situationen angewandt, s. Aufbau eines Moduls. Abgerundet wird jedes Modul durch authentische Zusatztexte.
- am Telefon nachfragen
- Verärgerung wegen Informationslücken ausdrücken
- sich im Restaurant beschweren
- im Hotel auf Korrektur der Rechnung beharren
- sich im Vorstellungsgespräch präsentieren
- in einer Versammlung das Wort ergreifen
- bei einer Fahrscheinkontrolle Beschuldigungen abwehren
- auf die Kritik eines vorwurfsvollen Hausmeisters reagieren
- bei der Krankenkasse Informationen einholen
- bei einem Reparaturauftrag sein Recht als Kunde durchsetzen
- bei einem Unfall auf Beschimpfungen reagieren
- auf einer Party vermeiden, ins Fettnäpfchen zu treten
Jedes Modul besteht aus Einstiegsdiskussion, Video A (mit Konflikt), Übungen zu Modul A, Video B (mit Konfliktvermeidung oder -lösung), Übungen zu Modul B, Sprachliche Mittel (relevante Phrasen), Grammatik- und Wortschatzübungen, Hörübungen, Sprechübungen, Rollenspiele, authentische Zusatztexte.
Ergänzt wird das Material durch eine Wortliste (Deutsch-Englisch-Finnisch-Niederländisch), eine Kurzgrammatik, eine Phrasenliste und ein Tonstudio.
Jedes Modul ist in sich geschlossen und kann völlig unabhängig eingesetzt werden.
Das Material ist sowohl für den Präsenzunterricht als auch zum vertiefenden Selbststudium für Studenten ab Mittelstufe (B1/B2) geeignet. Nach unseren bisherigen Erfahrungen ist die Motivation, mit der DVD zu arbeiten, bei den Deutschlernern sehr hoch. Gründe dafür sind neben der Benutzerfreundlichkeit und den neuartigen Themen auch die ästhetische Darstellung des Inhalts.
Die DVD ersetzt kein praxisbewährtes Lehrwerk, sondern ergänzt den DaF-Unterricht um den bisher tabuisierten Bereich alltäglicher Konflikte.
Dieses Lingua 2-Projekt dauerte von 2002-2005.
An der Produktion der DVD waren folgende Partner beteiligt:
TAMK – Tampere - Finnland
Claudia Hallikainen: Projektleiterin, Autorin und Sprecherin bei Tonaufnahmen
Tiina Paulanne: Autorin, Assistentin der Projektleiterin
Anne Mustonen: Finanzverwaltung
Studenten der Abteilung Kunst und Medien
W&K, Campus Honim – Brüssel – BELGIEN
Roger Daems: Autor, Regisseur
LSB GbR – Leipzig – DEUTSCHLAND
Dr. Armin Krause: Autor
HINTERWAELT – Wurzbach – DEUTSCHLAND
Andreas Berner: Grafiker
InPunkto Software – Bad Lobenstein - DEUTSCHLAND
André Drosdzik: Programmierer
Mitgewirkt haben auβerdem:
theater-spiel-laden e.V. aus Rudolstadt: Darsteller bei Videoaufnahmen
berliner schule für schauspiel: Sprecher bei Tonaufnahmen
Ulrike Eichstädt vom Goethe-Institut Helsinki: Gutachterin
Hans-Joachim Schulze von der Wirtschaftsuniversität Helsinki: Gutachter + Testen des Materials mit Studenten
Reima Hallikainen: Übersetzer + Coautor
Albrecht Berner: Komponist und Pianist